Kinderwunschzentrum Chemnitz - Leipzig

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 07.12.2007

Kasse zahlt nur die Diagnostik

Ärztin für Frauenheilkunde und Geburtenhilfe gibt Auskunft über künstliche Befruchtung,
LVZ: vom 7. Dezember, Regionalausgabe Borna-Geithain
Mölbis/Leipzig. Bärbel und Thomas Naundorf aus Mölbis wollen ein zweites Kind durch künstliche Befruchtung, aber dem Paar fehlt das Geld. Sie sind beide Arbeitslosengeld-II-Empfänger und brauchen 1600 Euro. Wir sprachen mit Dörte Geistert (39) von der Reproduktionsmedizinischen Sprechstunde in Leipzig über die Chancen der fast 40-Jährigen, ein zweites Kind zur Welt zu bringen.

Frage: Sie betreuen die Naundorfs seit mehreren Jahren. Wie stehen die Chancen für ein zweites Kind?
Dörte Geistert: Sehr gut. Frau Naundorf war schon einmal schwanger. Ihr Körper hat gezeigt, das die Hormone wirksam sind und er etwas damit anfangen kann.

Könnte man den Betrag für die In-vitro-Fertilisation nicht staffeln?
Das ist leider nicht möglich. Allein 800 Euro braucht der Patient, um die dafür notwendigen Medikamente in der Apotheke zu kaufen. Der Rest ist für die Narkose und die Behandlung durch unser Team erforderlich.

Kommen zu Ihnen eigentlich viele Paare, die Sorgen haben, ihren Eigentanteil beizusteuern?
Als das Gesetz 2004 festlegte, dass die Krankenkassen nur noch 50 Prozent der Kosten übernimmt, hatten wir 2003 einen regelrechten Boom an künstlichen Befruchtungen. Auch Familie Naundorf versuchte, im Dezember 2003 ein Baby zu bekommen. Dieser Versuch scheiterte. Erst der zweite Anlauf gelang. Diesen mussten sie bereits bezahlen. Nach dem Inkrafttreten des Gesetzes sind uns ein Drittel unserer Patienten weggebrochen. Derzeit geht man davon aus, dass in Deutschland jede sechste Ehe ungewollt kinderlos bleibt und etwa zwei Millionen Paare mit diesem Problem leben. Deutschlandweit sind in den über 150 Zentren für Reproduktionsmedizin etwa 10 000 Kinder weniger geboren. Daraus ist ersichtlich, dass es auch eine Geldfrage ist, ein Kind zu bekommen. In unsere Praxis kommen derzeit vor allem Paare, die wissen, was finanziell auf sie zukommt und sich das Geld im Notfall zusammenborgen.

Wie viel Kindern hat Ihr Praxisteam geholfen, das Licht der Welt zu erblicken?
Im vergangenen Jahr im September feierten wir die Geburt des 3333. Kindes im Leipziger Zoo.
Sie betreuen seit 1999 Paare mit unerfülltem Kinderwunsch. Bei Frau Naundorf ist die Ursache der verklebte Eileiter. Sind vorwiegend die Organe der Frau die Ursache für Kinderlosigkeit?

Zu einem Drittel, haben wir festgestellt, liegen die Ursachen bei der Frau begründet. Zu einem Drittel ist aber auch der Mann für die ungewollte Kinderlosigkeit zuständig. Auf der anderen Seite haben wir auch ein Drittel an Paaren, bei denen sowohl der Mann als auch die Frau einen Anteil hat oder bei denen wir gar nichts feststellen.

Wie viele Paare kommen jährlich zu Ihnen?
Etwa 750 Paare unter anderem aus Zwickau, Dessau, Wittenberg, Herzberg und selbst aus Berlin. Diese lassen sich beraten beziehungsweise feststellen, warum sie kinderlos sind. Denn die Diagnostik bezahlt die Krankenkasse. Das Durchschnittsalter der Frauen beträgt 33 Jahre. Von der Kasse wird die künstliche Befruchtung erst ab dem 25. Lebensjahr bezahlt. Vor der Gesundheitsreform 2004 war das Durchschnittsalter noch 31 Jahre. Jetzt ist die Hemmschwelle schon größer, zum Arzt zu gehen, da es Geld kostet, schwanger zu werden. Der Trend geht zu älteren Erstschwangerschaften.

Doch ab 40 Jahren zahlt die Krankenkasse nicht mehr...
Deshalb verkürzen wir bei älteren Frauen auch die Diagnostikzeit, wenn sie zu uns kommen. Laut Deutschen IVF-Register, Jahrbuch 2006, sinken die Behandlungsergebnisse abhängig vom zunehmenden Alter der Frau. Während bei einer 34-jährigen Frau die Schwangerschaftsrate noch mit 32 Prozent angegeben wird, liegt sie bei einer 40-Jährigen unter 20 Prozent.

Wie sind die Erfolgschancen durch eine künstliche Befruchtung?
65 bis 70 Prozent unserer Patientinnen werden schwanger.
Es scheint so, dass durch eine künstliche Befruchtung vor allem Mehrlingsgeburten gefördert werden?
Das war am Anfang wahrhaftig der Fall. Doch jetzt ist die Medizin weiter, und bis 37 Jahre werden in den weiblichen Körper nur zwei Embryonen zurückgesetzt. Damit ist nur jede fünfte Schwangerschaft eine Zwillingsschwangerschaft.

        Interview: Cornelia Braun

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